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| 13.07.2020

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Schon fast vergessen: Digital Detox!

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Gewiss, Corona war und ist immer noch ein Lehrstück ... aber wirklich eines, das in Richtung Digitalisierung führt? Zuerst einmal müsste man klären, was denn nun alles unter den Begriff Digitalisierung fällt. Als Anbieter von Sprachtraining ist man natürlich darauf bedacht, so viele Prozessabläufe wie möglich einem Binärcode unterzuordnen. Von der Kursbuchung bis hin zur Beratung (so weit wie möglich).

Von Stefan Iser

Aber gilt dies auch für die Lehre? Welchen Mehrwert hat ein Webinar wirkllich?

Was für Prozessabläufe und teilweise auch für die Beratung gilt, muss noch lange nicht für die Vermittlung von Wissen gelten. Seit Corona erleben wir einen Hype der digitalen Wissensvermittlung. "Webinar" heißt das Zauberwort, welches plötzlich dem klassischen Präsenz-Training den Rang streitig machen soll. Und wenn nun alles über Home-Office geht, der Sportverein in digitaler Form in unsere Wohnzimmer einzieht und selbst eine Weinverkostung online stattfindet - warum dann auch nicht das Sprachtraining?

Die digitale Wissensvermittlung hat ihre Grenzen!

Eins mal vorneweg: Noch lange vor Corona habe ich mit den Möglichkeiten der digitalen Wissensvermittlung intensiv auseinandergesetzt. Viele digitale Mehtoden setze ich in meiner täglichen Unterrichtspraxis ein und hole für meine Kursteilnehmer zu ihrer Zufriedenheit das Maximum heraus. Jedoch ergab eine qualitative Umfrage: Fast alle wünschen sich eine Rückkehr zum Präsenztraining (was nicht heißt, auf digitale Angebote zu verzichten zu wollen!).

Wir leben im Zeitalter des Digital Detox! Ein Rollback ist möglich.

Warum ist das so? Wir spielen doch den ganzen Tag auf irgendwelche Geräten herum ... liegt es da nicht nahe, möglichst viel in digitaler Form anzubieten? Nein! Wir haben bei diesem ganzen digitalen Hype etwas Wesentliches außer Acht gelassen: Den Digital Detox! Schon vor Corona war die Durchdigitalisierung des Alltagslebens an ihre Grenzen gestoßen. Weniger Zeit am digitalen Endgerät verbringen war die Devise, die durch Corona ein wenig in Vergessenheit geraten war.

Digitale Ermüdung: Mit den Füßen auf dem Boden bleiben!

Schon vor Corona kursierten vermehrt die zwei Schlagwörter digitale Ermüdung und digitaler Detox. Ich kenne kaum jemanden, der sich nicht danach sehnt wieder vermehrt auf reale Menschen zu treffen - vor allem im Trainingsbereich!

Gewiss, Corona hat vielen die Augen geöffnet. Nachholbedarf bei der Digitalisierung war allenortens festzustellen. Das ist auch gut so - nur sollten wir mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Die erfolgreichen digitalen Angebote der Zukunft werden nicht ohne Präsenz-Komponenten auskommen. Die Leute werden sonst müde!

Nach einem Hype folgt immer die Ernüchterung

Einen Hype erkennt man daran, dass ihn (fast) alle mitmachen, aber hinterher kaum noch jemand darüber redet. Die gehypten Dinge werden i.d.R. zurechtgestutzt auf das, was sie wirklich sind: nicht selten auf ein Nichts.

Damit wir uns nicht missverstehen: Ich bin ein Pionier des Blended Learning. Ich vertrete dieses Konzept vehement in der effektiven Kombination von online und offline. Ich habe das schon lange vor Corona gemacht. Ich liebe es, in meiner Freizeit intelligente Online-Lernkonzepte zu erstellen. Ich halte gerne Online-Sitzungen ab und ich freue mich, wenn meine Schüler die von mir empfohlenen Apps benutzen.

ABER: Die wichtigsten Informationen werden non-verbal übermittelt.

Es sind die Schweigesekunden, gewisse Blicke, die Körperhaltung, Gesten, Veränderungen räumlicher Distanz während der Sitzung, Veränderung der Atmung ... und da ich mich intensiv mit Yoga beschäftigt habe, drücke ich es am liebsten so aus: die unsichtbare Energie (Prana), die zwischen den Menschen fließt ... die ist digital einfach nicht abbildbar.

Der ungestörte non-verbale Informationsfluss entscheidet maßgeblich über die Qualität des Unterrichts ... ich unterbreche meine Schüler oft nur mit einem Blick - vielleicht noch unterstützt von einer leichten Geste - aber das ist wirkungsvoll. Und Arbeitsblätter verteile ich in Papierform.

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